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Die Mitgliedschaft der Fair Wear Foundation (FWF) – Am Beispiel von Blutsgeschwister

Blutsgeschwister, ist seit 2013 Mitgliedsmarke der Fear Wear Foundation (FWF) und hat auf Grund von stätigen Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in 2020 zum fünften Mal in Folge den Leader-Status erhalten, die höchste Kategorie im FWF Bewertungssystem. [1,2]. Die Marke lässt Kleidung in Fabriken in Indien, China und Portugal herstellen. Das wird oft erstmal sehr kritisch wahrgenommen und viele Kunden wollen keine Textilien aus „China“ kaufen. Es ist allerdings sehr schwer bis unmöglich Kleidung in unserem Preissegment zu finden, die nicht in diesen Regionen hergestellt wurde. Wir denken, dass es der bessere Weg ist zu versuchen die Umstände und Situation in den jeweiligen Ländern zu verbessern, als die Produktion komplett zu verlagern. Daher setzen wir unseren Fokus auf Marken, die auf faire Arbeitsbedingungen in den jeweiligen Produktionsländern achten. Wir haben für euch recherchiert und unsere Erkenntnisse hier zusammen gefasst.

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Was sind eigentlich faire Arbeitsbedingungen? 
Insgesamt achtet, die FWF auf 8 Arbeitsstandards, welche die Grundrechte der Arbeiter sichern sollen. Diese Standards basieren auf den Grundsätzen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) der Vereinten Nationen und können als soziale Arbeitsrichtlinien in Unternehmen verstanden werden. Was genau die FWF zertifiziert, könnt ihr hier nachlesen.

 

Blutsgeschwister hat zum fünften Mal den „Leader-Status“ der Fear Wear Foundation (FWF) erhalten. Was bedeutet das?
Mitgliedsmarken erhalten die Bewertung oder den Status „Leader“, wenn Sie auf einem besonders fortgeschrittenen Niveau versuchen soziale Arbeitsstandards einzuhalten [3]. Damit die Bemühungen von Mitgliedsmarken, diese Arbeitsstandards umzusetzen, von der FWF bewertet werden können, muss jedes Mitgliedsunternehmen bestimmte Geschäftspraktiken etablieren. Dazu gehören die Einrichtung eines Überwachungssystems für die die Produktionsstandorte und die Einführung von Unternehmensrichtlinien zur Unterstützung bei der Umsetzung von sozialen Arbeitsstandards und Behebung von Problemen, die bei früheren sogenannten „Audits“ und Beschwerden von FabrikarbeiterInnen festgestellt wurden. Bei den Audits überprüft die FWF die Arbeitsbedingungen in den Produktionsstätten vor Ort. Dabei können Arbeiter ihre Beschwerden direkt bei der FWF einreichen. Die FWF berichtet dann öffentlich über den Fortschritt bezüglich der Verbesserung von Arbeitsbedingungen in den Fabriken und vorhandenen Beschwerden.

Es ist wichtig zu verstehen, dass die FWF keine Produkte oder Mitgliedsunternehmen als 100% fair zertifiziert, sondern lediglich den Prozess der Umsetzung einzelner Arbeitsstandards bewertet. Das bedeutet, dass selbst ein Unternehmen der Kategorie „Leader“ nicht zwangsläufig alle Arbeitsstandards erfüllt. Jedoch bedingt der „Leader“ Status, das Prozesse und Arbeitsrichtlinien in der Lieferkette so umgestaltet wurden, dass Verbesserungen bezüglich der Arbeitsstandards in mehreren der 8 Bereiche umgesetzt werden konnten und der Weg für weitere Verbesserungen gelegt wurde. Die Einstufung in die jeweiligen Kategorien „Leader“; „good“ and „needs improvement“ basieren auf einer Bewertung anhand von Indikatoren [3]. Die einzelnen Indikatorwerte werden zu einem Gesamtwert addiert, woraus sich eine Benchmarking-Punktzahl ergibt. Leader gelten als Vorbild und müssen Verbesserungen von Arbeitsbedingungen in den Herstellungsfabriken in mehreren Bereichen vorweisen können [3].

 

Der FWF Brand Performance Check von Blutsgeschwister
Laut des letzten „Performance Check“ Jahres Bericht 2020, hat Blutsgeschwister sehr fortgeschrittene Ergebnisse bei Leistungsindikatoren gezeigt [2]. Blutsgeschwister überwacht 99% seiner Lieferkette durch FWF-Audits. Um sich ein Bild vor Ort zu schaffen und Prozessoptimierungen zur Verbesserung von Arbeitsbedingungen gemeinsam mit den Betrieben zu erarbeiten, besucht Blutsgeschwister die Produktionsstätten einmal pro Jahr. Seit Beginn der Mitgliedschaft bei Fair Wear, hat Blutsgeschwister erhebliche und systemische Änderungen am Design Prozess und der Produktionsplanung vorgenommen, um angemessene Arbeitszeiten zu ermöglichen [2,4]. Außerdem hat die Marke großes Engagement und Wissen zum Thema Geschlechtsbasierter Gewalt bewiesen. Geschlechtsbasierte Gewalt ist besonders in Fabriken in Indien ein Problem. Um besser zu verstehen welchen Risiken Arbeiterinnen in den Fabriken genau ausgeliefert sind hat Blutsgeschwister angefangen mit lokalen nicht Regierungsorganisationen (NGOs) zusammenzuarbeiten. Die NGOs sammeln Beschwerden und berichtet diese einmal pro Monat an Blutsgeschwister. Sexuelle Belästigung bei jungen Arbeiterinnen stellt das meist berichtete Problem dar. Aufgrund von Beschwerden hat Blutsgeschwister die Zusammenarbeit mit einer Fabrik bereits beendet. In Indien wird derzeit in zwei Spinnereien produziert. Dort werden seit mehreren Jahren Schulungen zum Aufbau von Kapazitäten zur Gewaltprävention von Blutsgeschwister organisiert und von der FWF durchgeführt [2].

Dieses Jahr hat Blutsgeschwister besonders gut im Performance Check abgeschnitten. Im Vergleich zum Vorjahr (78 Punkte), hat die Marke dieses Jahr 92 Punkte erreicht und liegt somit  weit über dem Minimum Wert (75 Punkte), um den „Leader Status“ zu erhalten [2,4]Die positive Bewertung ist vor allem der vielen Arbeit im Bereich Löhne zu verdanken. Blutsgeschwister befasst sich mit systematischen Problemen, die bei früheren Audits festgestellt wurden und hat in den letzten zwei Jahren viele Fortschritte im Bereich Löhne gemacht. Zum Beispiel wurden neue Vertragsvorlagen mit Mindestlohnanforderungen für alle gegenwärtigen und zukünftigen Geschäftsbeziehungen mit Produktionsstandorten erstellt. Um sicherzustellen, dass in den Fabriken bessere Löhne gezahlt werden, werden seit einiger Zeit Kosteninformationen in den Produktionsstätten gesammelt. Inzwischen hat das Unternehmen ein klares Verständnis für den Zusammenhang zwischen Kaufpreisen und Lohn entwickelt. Heute kann Blutsgeschwister durch die eigene Preisgestaltung für bereits über die Hälfte der FabrikarbeiterInnen existenzsichernde Löhne sicherstellen [2,7] 

 

Was ist ein existenzsichernder Lohn und in wie fern unterscheiden sich existenzsichernde Löhne von Mindestlöhnen?
Laut der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) geht ein Existenz sichernder Lohn weit über den gesetzlichen Mindestlohn hinaus. Kurz gesagt, erlaubt der Mindestlohn den Angestellten gerade so davon zu leben und ist als eine Mindestvergütung zu verstehen, die ein Arbeitgeber in einem bestimmten Zeitraum zu zahlen hat [5. Existenzsichernde Löhne hingegen, decken nicht nur Grundbedürfnisse ab, sondern ermöglichen einen Lebensstandard durch den sich Arbeitnehmer eine medizinische Versorgung leisten und ihre Kinder zur Schule schicken können sowie darüber hinaus einen Betrag zur freien Verfügung zu haben [1,6].

Blutsgeschwister hat es sich zum Ziel gemacht, dass alle Angestellten von Produktionspartnern existenzsichernde Löhne bezahlt bekommen [1]. Durch die Global Living Wage Coalitionwurden Benchmarks für existenzsichernde Löhne auf der ganzen Welt und in den Regionen, in denen sich Fabriken von Blutsgeschwister und anderen Marken befinden definiert [6,7]. Inzwischen erhalten die meisten FabrikarbeiterInnen mehr als den lokalen Mindestlohn und über die Hälfte der Angestellten einen existenzsichernden Lohn[7].

 

Was sind die Herausforderungen bei der Umsetzung existenzsichernder Löhne?
Blutsgeschwister hat im letzten Jahr immense Arbeit im Bereich Löhne geleistet, jedoch passiert eine Umstellung der Lohnzahlung nicht von heute auf morgen und erfordert eine enge Zusammenarbeit mit den Fabriken selber [2]. Dabei hängt die Umsetzung von Arbeitsrichtlinien nicht nur von Blutsgeschwister, sondern auch von der Bereitschaft der Produktionsstätten vor Ort, soziale Arbeitsstandards, wie beispielsweise die Zahlung existenzsichernder Löhne einzuführen, die Einhaltung angemessener Arbeitszeiten und Umsetzung von Maßnahmen gegen Geschlechterdiskriminierung, ab. Dabei spielen auch die allgemeinen Arbeitsrahmenbedingungen in den jeweiligen Ländern und Wissen über soziale Arbeitsstandards eine Rolle[8]. Dazu kommt, dass die Marke nicht der einzige Kunde in den Produktionsstätten ist. Wenn zum Beispiel andere Kunden keine Standards einfordern, ist es schwerer Arbeitsrichtlinien umzusetzen [8].

 

Was tut Blutsgeschwister um Arbeitsstandards zu verbessern?
Um eine Umsetzung von Arbeitsrichtlinien in den Fabriken zu erhöhen und die Beziehungen mit den jeweiligen Fabriken zu verbessern versucht Blutsgeschwister mit Marken, die ähnliche Interessen haben zusammen zu arbeiten. Durch eine enge und langfristige Zusammenarbeit sowie jährliche Besuche vor Ort konnten Verträge in den Produktionsstätten angepasst und Arbeitsanforderungen in Bezug auf Sozialstandards erweitert werden. Zum Beispiel enthalten die Arbeitsrichtlinien in den Verträgen inzwischen mehr Details darüber, wie sichergestellt werden kann, dass existenzsichernden Löhne gezahlt werden [2]. Hier ist ein Video zu den FWF Arbeitsstandards kurz und gut erklärt:


 

Fazit 
Die Umsetzung von sozialen Arbeitsstandards ist also ein langfristiger Prozess, der nicht nur von den Marken selber, sondern auch von der Bereitschaft von Produktionsstätten vor Ort Veränderungen herbeizuführen, abhängt. Um positive Veränderung herbeizuführen ist für Marken wichtig sich auf die Umsetzung einzelner Arbeitsstandards nacheinander für einen jeweils längeren Zeitraum zu fokussieren und eine enge Zusammenarbeit mit Produktionsstätten erforderlich. In den letzten zwei Jahren hat Blutsgeschwister besonders viel Arbeit im Bereich Löhne geleistet und dadurch für über die Hälfte der FabrikarbeiterInnen einen existenzsichernden Lohn geschaffen.

Wir verfolgen den Prozess der Umsetzung von existenzsichernden Löhnen weiterhin, halten euch auf dem laufenden und stehen für Rückfragen zu sozialen Arbeitsbedingungen von Blutsgeschwister jederzeit für euch zur Verfügung.

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